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Philharmoniker Hamburg und
Albert Schweitzer Jugendorchester

3. Projekt: Gemeinsames Kammerkonzert am 26. Juni 2011

Hamburger Abendblatt vom 25.06.2011

Den Bogen raus

Das Albert-Schweitzer-Jugendorchester und die Philharmoniker
verwandeln die Laeiszhalle in ein Mehrgenerationenhaus

Ein Streicherkonzert von Bach und eine Bläsersuite von Strauss - was mag das miteinander zu tun haben? Auf den ersten Blick will beides nicht recht in ein Programm passen, auf den zweiten jedoch fügt es sich zwanglos - nämlich unter dem Aspekt der "Akademie". Darunter verstehen Orchestermusiker, wenn Profis junge Kollegen unter ihre Fittiche nehmen: Sei es, dass der Nachwuchs im Konzert und Opernbetrieb mitwirkt oder dass man eigens mit ihnen Programme erarbeitet und aufführt.

Wie das klingen kann, ist am Sonntagmorgen im Kleinen Saal der Laeiszhalle zu hören, wenn Mitglieder der Philharmoniker Hamburg unter der Leitung von Alexander Soddy mit Schülerinnen und Schülern des Albert-Schweitzer-Jugendorchesters die eingangs erwähnten Werke aufführen: ein rekonstruiertes Tripelkonzert für drei Violinen und Streicher von Bach, die erwähnte Bläsersuite von Richard Strauss und dazu eine Bläserserenade von Mozart und eine frühe Streichersinfonie von Mendelssohn.

"Ich finde, dass es zu unserem Beruf gehört, jungen Menschen die Musik nahezubringen", sagt Thomas Rohde, Solo-Oboist der Philharmoniker. "Profimusiker zu sein bedeutet für mich nicht nur, Konzerte und Opern zu spielen und damit Geld zu verdienen, sondern auch meine Erfahrungen an junge Menschen weiterzugeben."

Kein anderer Beruf setzt so profunde Fertigkeiten bereits bei Ausbildungsbeginn voraus wie der des Musikers. An eine Hochschule kommt nur, wer von Kindesbeinen an Instrumentalunterricht hatte und regelmäßig geübt hat. Ein Musikstudent hat seinen Kommilitonen aus den anderen Fachrichtungen Tausende von Übungsstunden voraus.

Da liegt es nur nahe, den Nachwuchs nicht nur in Technik und Theorie zu unterweisen, sondern ihn möglichst früh in die Praxis zu bringen. Wie tief die gemeinsame Arbeit ins Detail geht, erläutert Monika Bruggaier, Vorspielerin der Ersten Violinen, die das Bach-Konzert mit einstudiert hat: "Ein Schwerpunkt unserer Arbeit war die barocke Aufführungspraxis. Wir spielen mit Barockbögen, auch das ist für die meisten ganz neu. Mir ist wichtig, dass sie nicht nur die richtigen Noten spielen, sondern auch einen Einblick in die stilistische Gestaltung bekommen."

Dass Bruggaier, selbst eine Barockgeigerin von Graden, den Schülern die Solopartien überlässt, zeigt den Geist, der dem Unternehmen innewohnt. Ältere Kollegen erkennen neidlos an, wie technisch fit, körperlich belastbar und hochmotiviert die Jungen sind. Die wissen umgekehrt, wie sehr sie von der Gelassenheit, dem Überblick und der jahrzehntelangen Erfahrung der alten Bühnenhasen profitieren können. Zusammen wird ein lebendiger, klingender Organismus daraus. Ein Generationenvertrag mal ganz anders - wenn das kein ermutigendes Modell ist.

Hamburger Abendblatt - Magazin Nr. 25 vom 25.06.2011, Seite 2

Die Genehmigung zum Abdruck dieses Artikels auf der website des Albert Schweitzer Jugendorchesters wurde vom Axel Springer Verlag am 12. Juli 2011 erteilt.

2. Projekt: Gemeinsames Sinfoniekonzert am 13. Juni 2010

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Fotos: Martin Brinckmann

Am Sonntag, dem 13. Juni 2010 fand im großen Saal der Laeiszhalle ein sehr außergewöhnliches Konzert statt. Nur eine Woche nach dem eigenen großen Sinfoniekonzert des Albert Schweitzer Jugendorchesters spielten dessen Mitglieder unter der Leitung von Simone Young zusammen mit den Musikern der Philharmoniker ein gemeinsames Konzert. Jeweils ein professioneller Kollege und ein Musiker des Jugendorchesters bildeten zusammen ein Pult. Grundlage der Zusammenarbeit ist die seit vielen Jahren bestehende Patenschaft der Philharmoniker für das ASJ, die sich in inzwischen vielerlei Verbindungen zwischen beiden Orchestern niederschlägt.

Das Programm bestand aus drei der bekanntesten und wirkungsvollsten Kompositionen des Repertoires. Eröffnet wurde der Abend mit Bernsteins Ouvertüre zu seinem Musical "Candide", wohl einer der witzigsten und schwungvollsten Kompositionen des Genres, in seiner Wirkung vielleicht nur der Straußschen Fledermaus-Ouvertüre vergleichbar. Als Solokonzert folgte das Mozartsche Klarinettenkonzert, dessen melodische Einfälle wohl jeder kennt. Seine abgeklärte Melancholie - es ist eins der letzten Werke Mozarts -, die nicht nur das bekannte Adagio, sondern auch die vitalen Ecksätze beherrscht, macht es ausdrucksmäßig, die Tiefendimension der Musik betreffend, zu etwas sehr Besonderem.

Der Solopart wurde gespielt von Johann-Peter Taferner, der nach langjähriger Mitgliedschaft im ASJ und nachfolgendem Studium in Köln dort als Konzertklarinettist insbesondere auf vielfältige Weise kammermusikalisch tätig ist neben Aushilfstätigkeiten für große Orchester, z.B. die Essener Philharmoniker.

Höhepunkt des Abends war die 8. Sinfonie Dvořáks (die "Englische"), ein Werk höchst eingängiger Melodik, in dem der singuläre "musikantische" Schwung des großen tschechischen Komponisten wie in keiner seiner anderen sinfonischen Schöpfungen zum Ausdruck kommt.

 

1. Projekt: Gemeinsames Kammerkonzert am 9. Nov. 2008

Am 9. November 2008 haben die jungen Musiker des Albert-Schweitzer-Jugendorchesters mit ihren »großen Kollegen« in der Laeiszhalle ein anspruchsvolles Programm präsentiert. Denn schließlich ist das Konzept der Partnerschaft zwischen ASJ und Philharmonikern Hamburg: Von Profis lernen, Erfahrungen sammeln, gemeinsam musizieren.

Seit November 2006 unterstützen die Philharmoniker Hamburg mit diesem Ziel das Albert-Schweitzer- Jugendorchester. Die Profi-Musiker engagieren sich auf vielfältige Weise in der Nachwuchs-arbeit: Sie coachen die Mitglieder des Jugendorchesters, beraten sie beim Instrumentenkauf oder bei spieltechnischen Fragen und unterstützen das junge Orchester zwei Mal im Jahr im Vorfeld seiner Konzerte. Dabei geht es nicht nur um praktische Vorschläge für den großen Auftritt, sondern vor allem um eine kontinuierliche Zusammenarbeit, in der die Nachwuchsmusiker über einen längeren Zeitraum begleitet werden.

Mit Werken von Richard Strauss, Julius Klengel, Engelbert Humperdinck, Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy bewiesen »junge Füchse« und »alte Hasen«, wie wunderbar die Ergebnisse dieser erfolgreichen Partnerschaft klingen. Unter den Zuhörern war natürlich auch Simone Young, die mit kollegialen Grußworten die Wichtigkeit des gemeinsamen Projekts unterstrich.

Milena Ivkovic

Schon seit mehreren Jahren können wir, das ASJ, bei den Registerproben mit Dozenten aus den Reihen der Hamburger Philharmoniker sehr viel lernen. Am 9. November fand jedoch erstmals ein Kammerkonzert im Rahmen unserer Patenschaft statt, bei welchem Mitglieder beider Orchester zusammen auf der Bühne standen und musizierten. Wir können auf eine spannende Probenphase zurückblicken, bei der wir viele tolle Erfahrungen machen konnten; sei es, bei einer Streichersinfonie Felix Mendelssohn Bartholdy an einem Pult mit einem Mitglied der Philharmoniker sitzen zu können und sich einiges abzuschauen oder anhand eines Brandenburgischen Konzertes von J.S. Bach den Umgang mit dem Barockbogen gezeigt zu bekommen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Und wenn wir, was Generalmusikdirektorin Simone Young in ihrer Rede sagte, die „Profimusiker“ mit einer gewissen jugendlichen Freude an der Musik anstecken konnten, freut uns das natürlich ganz besonders, auch wenn diese, das muss gesagt sein, auf uns alles andere als einen lustlos routinierten Eindruck machten.

In diesem Sinne, vielen Dank!

Joachim Kelber